-1968-

Eine neue Generation von jungen Erwachsenen übte Kritik am System. Sie hatten erkannt, dass die Aufarbeitung der Nazizeit nie stattgefunden hatte, sondern vielmehr schnell vom Wirtschaftswunder und mit den damit verbundenen ständig neu angestrebten Konsumgütern überkompensiert worden war. Viele Jugendliche wollten einen anderen Weg gehen, um dem Establishment und der Konsumspirale zu entkommen. Die einen als Langhaarige im vergammelten Bulli, die anderen, indem sie den Spieß umdrehten und einfach am Anfang Ihres Berufslebens mit dem erstrebenswertesten Konsumgut anfingen, einem Porsche Rennwagen.

Die Meisterschule Kaiserslautern ist eine der ältesten Karosseriebauschmieden Deutschlands. Hier wurden die Meister ausgebildet, die später für große Automarken arbeiteten. Jeder Jahrgang entwarf, kalkulierte und baute gemeinsam ein komplettes Auto. Überwiegend verwendete man das VW Fahrgestell und verwirklichte Luxus Coupés oder Sportwagen sehr oft auch mit Porscheteilen.

 

REVOLUTION

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KAISERSLAUTERN PORSCHE

Der ausgestellte Wagen ist vom Porsche 904 inspiriert und mit vielen Porscheteilen angereichert. Das Fahrgestell stammt von einem Käfer. Als sich im Jahrgang 1967 gerade kein Kunde fand, immerhin kostete alleine die in 3500 Arbeitsstunden hergestellte Karosserie 17.000,- DM, ergriff ein mutiger Schüler die Initiative. Rudi Edinger, der sich schon beim Entwurf maßgeblich beteiligt hatte, wollte das Projekt alleine stemmen. In den 60er Jahren sprachen Firmenchefs nicht ununterbrochen von Teamwork, die Studenten der Meisterschule lebten es einfach. Der Zusammenhalt war groß und die Ellenbogen noch nicht so weit vom Körper weggestreckt. Auch beim gegenständlichen Auto musste das Team zusammenhelfen, denn wenn der Schwächste der Gruppe einmal eine Türe verbockte, machte der Geschickteste einfach das Dach daraus. Beurteilt wurde das Meisterstück von den Professoren dann als Gemeinschaftsarbeit als hervorragend. Rudi Edinger war nun als Berufseinsteiger plötzlich Eigner eines Luxussportwagens, der zwar mächtig Spaß machte, aber ganz und gar unpraktisch für die junge bald vierköpfige Familie war. Das Schmuckstück wurde nie verkauft und nach Jahrzehnten in Heuschobern der Vienna Volkswagen Collection übergeben.