-1965-

Wer sich selbst als Nachfolger von Galileo sieht, dem mangelt es zumindest nicht an Selbstbewusstsein.  Aber auch das Werk des größten deutschen Industriedesigners Luigi Colani kann sich sehen lassen. Ganz und gar dem Runden und Organischen verschrieben, entwarf Colani von den 50er bis in die 2000er Jahre vom Flugzeug bis zur Klobrille alles nur Erdenkliche. Besonders für die Zeit der sogenannten Pop Art wurde sein Schaffen prägend. Anfang der 60er schuf der Künstler aus Gips das 1:1 Modell eines der ersten Kit Cars weltweit. Ab Mitte der 60er Jahre wurde der Wagen in Serie gebaut, aber auch als Baukasten angeboten. Etwa 360 Stück entstanden bis 1968. Seine langestreckte Front, die dem Maul eines Fisches ähnelt, und die ultraflache Polyesterkarosserie verbunden mit dem geringen Gewicht machten den Wagen zu einer kleinen Sensation. Der Colani GT und der in einer Auflage von 200 Stück gebaute Colani Ford Ka wurden Colanis einzige Serienfahrzeuge. Der GT ist eine Pop Art Skulptur auf vier Rädern!

 

POP ART

DER COLANI GT

Gebaut wurde der ausgestellte Wagen 1965 in der Hirtenberger Patronenfabrik. Fritz Mandl, der  „Patronenkönig“, war ein schillernder Großunternehmer, den Waffen und Munition reich gemacht hatten. Er war in erster Ehe mit Hedy Lamarr verheiratet gewesen und bestens vernetzt in höchsten Kreisen. Sohn Fritz Mandl Junior, das Enfant Terrible der Familie, wollte neue Wege beschreiten. Mitte der 60er Jahre experimentierte er in Hirtenberg mit Drohnen, Wärmedämmfassaden, vor allem aber mit Kunststoff. So kam es auch zur kleinen Serie von etwa 30 Stück österreichischen GTs. Der ausgestellte Wagen ist einer davon und außerdem der letzte von Luigi Colani persönlich mitgestaltete. Er entspricht dem Urentwurf und somit genau den Vorstellungen des Meisters. Der 90Jährige verlangte vom Restaurator, der auch das letzte autorisierte Colani Buch schrieb, den GT zu einer echten Rennmaschine zu machen. Niemand geringerer als die Formel V Legende Kurt Bergmann  zeichnet für die Motorisierung verantwortlich. Ein von ihm getunter österreichischer Kaimann VW Rennmotor der 60er Jahre befeuert den Sportwagen. Ein Jahr vor seinem Tod begutachtete Luigi Colani das gelungene Werk und würdigte es mit seiner Unterschrift.