-1962-

Anfang der 1960er Jahre sorgte das Wirtschaftswunder für Zufriedenheit und Wohlstand. Die Menschen entdeckten eine neue Kategorie in ihrem Leben, die vorher kaum Platz hatte: den Urlaub. Klimawandel und Coronavirus gab es noch nicht, und aus allen Lautsprechern trällerte es „Komm ein bisschen mit nach Italien“. Überfüllte Dachgepäckträger, berstende Kofferräume und drei Kinder, eingequetscht zwischen Hund und viel zu früh aufgeblasenem Wasserball, so machte man sich auf die Reise. Nur wer sehr lange sparte, konnte sich den Luxus einer Flugreise gönnen. Ein richtig snobistisches Reisegefährt war der Campingbus. Begonnen hatte die Firma Westfalia mit einer hölzernen Campingbox, die man einfach in den sonst beruflich genutzten Bus hineinstellte und später wieder entfernte. Anders bei der von VW direkt angebotenen Sonderausstattung 23, ein Campingfahrzeug mit fix eingebauter Einrichtung. Freizeit, Urlaub, Reisen und Spaß waren fortan die einzige Daseinsberechtigung dieses Bullis.

 

FERNWEH

DER CAMPINGBUS

Der ausgestellte Wagen hat die Fahrgestellnummer 988003, nur wenige Tage nach seiner Auslieferung feierte man im neuen VW Bus Werk in Hannover den 1 Millionsten Bulli. Im Fond dieses Busses ist man immer schon waagrecht gelegen. Zuerst bei der Bestattung Fruhmann in Oberösterreich. Da diese aber bald auf einen aufwendig verglasten Leichenwagen umstellte, kaufte Andreas Gruber den fast neuwertigen Wagen. Er wollte die Welt erkunden und dabei unabhängig sein. Eine Pauschal-Safari wurde in den 60er und 70er Jahren nicht gebucht, sondern man setzte sich in Linz in den Bulli, um zwei Wochen später bei einem Fellachenstamm am Lagerfeuer zu speisen.  Anders als viele Globetrotter bastelte Andreas Gruber seine Einrichtung nicht selbst. Die Ausstattungen der Firma Westfalia hatten es ihm angetan. So kaufte er von einer Salzburger Geschäftsfrau die komplette Einrichtung und bestellte direkt bei Westfalia das Hubdach, wohl eine der genialsten Erfindungen zu dieser Zeit. Dreißig Jahre und drei weiteren Generationen sollte der Bulli fortan klimaschonende Urlaubsreisen und schöne Freizeitstunden spendieren.